Reisetagebuch & Seelenstriptease eines Borderliners (BPS)

„Ich bin einfach müde, die Art von müde, wo kein Schlaf mehr hilft. Ich bin müde vom Leben, müde vom Kämpfen und müde vom Durchhalten. es kostet so viel Kraft, niemanden zu zeigen, wie kaputt man wirklich ist.“

Verfasser unbekannt

RÜCKBLICK

Fortsetzung! Die geplante Umrundung der Ostsee

Schlechtes Wetter – wachsende Sorgen

Vom schönen Stellplatz nahe Varde ging es in einem Rutsch weiter in Richtung Odense. Hier fanden wir einen offiziellen, kostenfreien Wohnmobilstellplatz. Ein netter Platz an einem See. 

Hier gab es nicht nur eine Vielzahl an Tischen, Bänke und Grillmöglichkeiten, sondern zudem noch eine für jedermann frei zugängliche Sauna, die über einen Holzofen beheizt wurde. Bedauerlicherweise war Kalles Zustand dermaßen schlecht, dass ich ihn nicht alleine lassen mochte. Beziehungsweise war ich in so großer Sorge, dass ich mein gesamtes Vorhaben infrage stellte.
Sonst hätte ich trotz der niedrigen Temperaturen sicher ein Bad im See genossen und wäre anschließend noch in die Sauna gegangen. 

Der zunehmende Sturm und Regen ließen auch meine Ängste bezüglich der Überfahrt über die Große-Belt-Brücke wachsen. Ich selber halte mich für einen guten Autofahrer. Neben Pkw bin ich auch viele Transporter gefahren, habe endlos viele Kilometer auf Straßen zurückgelegt. So windanfällig wie mein Wohnmobil war jedoch bislang kein Fahrzeug und der Gedanke, mit vielleicht 30 km/h als Verkehrshindernis über die Brücke zu fahren, löste nicht gerade Begeisterungsstürme in mir aus. Eine Mail von der dänischen Polizei, die angesichts des Windes eine Warnung für die Überquerung der Brücke herausgegeben hatte, bestätigten mich in meinen Gedanken, dass die Überfahrt nicht gänzlich ungefährlich ist. Mein Blick auf meine Wetter-App verriet mir, dass der Wind am nächsten Morgen gegen 5 Uhr abschwächen und gegen 7 Uhr wieder zunehmen sollte. Ein Zeitfenster von zwei Stunden öffneten sich somit für mich. Ich stellte mir den Wecker auf 4.30 Uhr. Als ich wach wurde, war es immer noch sehr windig. Sorge bereiteten mir jedoch die unregelmäßigen, tückischen Windböen. 

Ich beschloss erst einmal in Richtung der Brücke loszufahren. Unmittelbar an der Brücke wurde mir ein Wohnmobilstellplatz angezeigt, der sich für eine Übernachtung anbieten würde, sollte es mit der Überfahrt nicht klappen. Ich fuhr also los und fuhr und schaute nach der Ausfahrt für den Wohnmobilstellplatz, doch plötzlich war ich dann auch schon auf der Brücke. Glücklicherweise kam der Wind direkt von hinten, sodass ich die Böen zwar spüren konnte, sie sich jedoch nicht so gefährlich auf das Fahrzeug auswirkten, wie Windstöße, die seitlich auf das Fahrzeug gestoßen wären. Nach der erfolgreichen Überfahrt war mir klar, dass die Öresundbrücke ein Kinderspiel für mich werden würde und all meine Gedanken und Ängste wieder einmal übertrieben und unnötig waren.

Schweden – das gelobte Land für Freihsteher? 

Zahlreiche Internetseiten hatte ich mir angesehen, um mich über Schweden zu erkundigen. Dass das schwedische „Jedermannsrecht“ nicht zwingend für Wohnmobilisten gilt, dessen war ich mir bewusst. Doch dass das Reisen mit dem Wohnmobil in Südschweden dermaßen stark reglementiert wird, damit hatte ich nicht gerechnet. Auch hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich mir über das Thema Sicherheit Gedanken hätte machen müssen. Wohl hatte ich mitbekommen, dass die extreme Zunahme an Straftaten in einigen Großstädten wie Stockholm, Göteborg und Malmö dazu beigetragen haben, dass Schweden statistisch gesehen das gefährlichste Land in Europa ist, doch auch in Hamburg, Berlin und Hannover gibt es gefährliche Ecken, während es hingegen auf dem Lande weiterhin relativ ruhig ist. Daher waren keine Aufenthalte in den Städten oder in unmittelbarer Nähe zu den größeren Städten geplant.

Auf einem Parkplatz an einem Badesee, wo ich eigentlich zwei, drei Tage verbringen wollte, wurde ich am frühen Nachmittag von drei jungen Männer ausgespäht. Als zwei der Männer am Abend in Begleitung einer dritten Person erneut auf dem Parkplatz erschienen, war mir sofort klar, dass ich mit meinem Bauchgefühl am Nachmittag genau richtig gelegen habe. Während die Männer darauf warteten, dass sich die anderen Badegäste, die ebenfalls auf dem Parkplatz standen, nach und nach verabschiedeten, nutzte ich die Zeit, um das Wohnmobil abreisefertig zu machen. Als am späten Abend nur noch zwei weitere Fahrzeuge neben mir auf dem Parkplatz standen und ich den Platz verließ, war den drei Typen, die sich zwischenzeitlich gegenseitig immer weiter hochgepuscht hatten, die Enttäuschung deutlich ins Gesicht geschrieben, dass ich Ihre (vermeintlichen) Pläne durchkreuzt hatte. 

Da in unmittelbarer Nähe kein weiterer bzw. kein sicherer Platz zu finden war, mussten wir mitten in der Nacht rund 200 Kilometer fahren. 

Die befreiende Entscheidung.

Eine Nacht und einen Stellplatz später entschied ich, dass wir die Rückreise per Fähre von Malmö nach Rostock antreten werden. Um die Sache dingfest zu machen, buchte ich gleich online die Tickets. Eine unbeschreibliche Last fiel von meinen Schultern, von meinem Herzen! Ich konnte und mochte Kalle nicht weiter diesen Stress aussetzen. 

Zudem konnte ich diese extremen Gefühle, insbesondere die Angst um Kalle, aber auch die Verantwortung, die ich auf dieser Fahrt alleine auf meinen Schultern trug, einfach nicht mehr stemmen. Meine Gedanken kreisten nur noch um die Angst, meinen pelzigen Begleiter auf dieser Reise zu verlieren und darum, dass ich dann gemeinsam mit ihm gehen würde. Kein gesunder Gedanke, dessen war ich mir bewusst. Daher war es mir wichtig, so schnell wie möglich wieder in Richtung „Heimat“ zu kommen. 

Ankunft in Rostock ….. Fortsetzung folgt!