Mittwoch, November 30, 2022
Nordlicht-Steinburg
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    StartReisetagebuch#6 Reisetagebuch

    #6 Reisetagebuch

    Reisetagebuch & Seelenstriptease eines Borderliners (BPS) 

    „Ich bin einfach müde, die Art von müde, wo kein Schlaf mehr hilft. Ich bin müde vom Leben, müde vom Kämpfen und müde vom Durchhalten. es kostet so viel Kraft, niemanden zu zeigen, wie kaputt man wirklich ist.“

    Verfasser unbekannt 

    Tag der Herausforderung

    Montag, 10. Oktober 2022

    Heute ist bislang mein schwerster Tag. Gefühlstechnisch könnte ich den nächsten Abhang hinunterfahren. Zum Glück ist Kalle bei mir, dem würde ich das niemals antun. Mal wieder ist er mein Lebensretter.

    Die Nacht über habe ich kaum geschlafen. Ich war immer wieder am überlegen, wann die beste Zeit ist, den Platz zu verlassen. Angesichts der Enge der Straße und der Tatsachen, dass ich mich beim hinunterfahren an der abschüssigen Seite befinden würde, wollte ich einen möglichen Gegenverkehr wie am Vortag vermeiden. 
    Gegen 7 Uhr bin ich dann schlagartig aufgebrochen. Glücklicherweise kamen mir nur drei Fahrzeuge entgegen. 

    Die Fahrt zum nahe gelegenen Supermarkt und anschließend zur Tankstelle liefen problemlos. Doch auf der Autobahn war ich dann für einen Moment überfordert, als sich diese in drei verschiedene Richtungen teilte. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und schon war ich auf der falschen Spur und musste einen nervenaufreibenden Umweg von rund 30 Kilometern fahren.

    Ich merke, dass ich noch nicht viel von der Welt gesehen habe und vermisse unser plattes Land. Wie schön einfach ist es, dort zu fahren. Heute standen einige Steigungen und somit auch Abfahrten an. Streckenabschnitte mit sechsprozentiger Steigung/Gefälle habe es ja schon in sich, aber wenn man dann gleichzeitig noch eine scharfe Kurve durchfahren soll, dann verlang es einem schon eine ganz gehörige Portion Konzentration ab, zumal man zeitgleich noch auf die Lkw-Fahrer achten muss, die gerne an einem vorbeirasen und einen ganz schönen Sog erzeugen.

    Dank Google Map bin ich dann kurz vor dem Ziel in einer Sackgasse gelandet. Ein paar Kratzer im Autolack werden mich noch lange an diese Straße erinnern, die mir eigentlich gar keinen Platz zum wenden bot…was ich dann aber doch irgendwie geschafft habe. Zum Glück … rückwärts wäre ich da niemals rausgekommen. 


    Auf dem Parkplatz angekommen, ließen positive Gefühle, Empfindungen auf sich warten. Einzig der Geschmack der  Chorizo-Salami, die ich mir am Morgen gekauft hatte, erzeugte einen kurzen Moment der Freude. 

    Mal wieder stelle ich mein ganzes Unternehmen infrage. „Warum mache ich das?“, „Was soll mir das bringen?“, „Für wen mache ich diesen Scheiß?“

    Fragen über Fragen, gepaart mit dem Wissen, dass es mir zu Hause auch nicht besser gehen würde, da mich die Monotonie des Alltags ebenso erdrückt hat.

    Das sind die Momente, in denen dann auch Gedanken an einen Freitod ins Spiel kommen, die den nahezu unerträglichen Gefühlen von Traurigkeit, Einsamkeit, Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit ein schnelles Ende setzen könnten. 

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